Kategorie: Lasst uns übers Wetter reden!

Klimawandel: Gefährliche Zeckenart breitet sich in Mitteleuropa aus

Nach einigen Fällen in Deutschland wurde nun in Österreich die gefährliche Hyalomma-Zecke zum ersten Mal bestätigt. Die höheren Temperaturen durch den Klimawandel könnten ein Grund sein.

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Foto: Georg Duscher/Vetmeduni Vienna

Nachdem im August Wissenschaftler der Uni Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr sieben Funde der gefährlichen Hyalomma-Zecken bestätigt haben, ist nun der erste Fall in Österreich aufgetreten. Das meldet die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna). Als Grund für die Ausbreitung der subtropischen Zeckenart in Mitteleuropa nennen Forscher die steigenden Durchschnittstemperaturen durch den Klimawandel.

Klimawandel fördert Entwicklung der Zecken

Pferdebesitzer aus Niederösterreich haben die Zecke gefunden und gemeldet. Die Bestätigung der Art erfolgte zuerst per morphologischer Untersuchung unter dem Mikroskop und durch eine spezifische DNA. „Die überdurchschnittlich warmen und trockenen Bedingungen im Sommer und der ebenfalls sehr warme Herbst führten dazu, dass sich die vollgesogenen Nymphen in sonst ungeeigneten Gegenden entwickeln konnten”, erklärt Georg Duscher vom Institut für Parasitologie der Vetmeduni Vienna. Das Vorkommen sieht der Wissenschaftler als noch zu gering für eine starke Ausbreitung der Insekten. “Allerdings besteht durchaus die Möglichkeit, dass die weiterentwickelten und robusteren erwachsenen Tiere auch den Winter überdauern können”, so der Wissenschaftler. Dies werde man erst im Frühjahr genauer wissen.

Einschleppung durch Zugvögel

Ein Nachweis in Kombination mit der viertwärmsten Wärmeperiode in Mitteleuropa ist für die Wissenschaftler kein akutes Warnsignal. Entsprechende Temperaturen könnten aber dazu führen, dass sich die Zecken weiter aus dem Vorstadium entwickeln. Experten sehen auch einen Zusammenhang mit Zugvögeln. Die Hyalomma-Zecken können unter anderem das unter Umständen tödliche Krim-Kongo-Fieber übertragen. Impfstoffe gegen die Krankheit gibt es noch nicht.

Wetterphänomen: Warum sind Wolken plötzlich abgeschnitten?

Das Wetter birgt viele Phänomene. Anfang November war über Teilen Deutschlands ein Wetterphänomen zu beobachten, das eher selten ist. Eine dichte Wolkendecke und blauer Himmel waren durch eine exakte Kante getrennt.

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Foto ©: Deutscher Wetterdienst

Auf der einen Seite eine dichte Wolkendecke, auf der anderen Seite strahlend blauer Himmel, getrennt durch eine scharfe Kante. Diese Bild bot sich im November in Süddeutschland. Die Kante zog sich von der Mitte Deutschlands über Baden-Württemberg bis nach Bayern. Im Laufe jenes 1. November dehnte sich die Kante bis in den Süden Algeriens aus. Doch wie kommt das Wetterphänomen zustande?

Wetterphänomen entsteht durch mehrere Faktoren

Der Deutsche Wetterdienst erklärt auf seiner Internetseite den seltenen Anblick. Regen und Wolken bilden sich in der Troposphäre. An diesem Tag veränderte sich der Feuchtigkeitsgehalt in der Stratosphäre. Gleichzeitig sorgte kalte Polarluft dafür, dass sich ein schmaler, starker Jetstream von Europa bis nach Nordwestafrika bildete. Jetstreams entstehen, wenn kalte und warme Luft aufeinander treffen.

Der Jetstream mit der kalten Polarluft bewegte sich genau an der Stelle, an der die feuchte Luft der Troposphäre auf die trockene Luft der Stratosphäre traf. Die trockene Luft verwandelte die Eiskristalle in der kalten Luft in Gas. Das nennt man Sublimation. Bei dieser entsteht aus festen Körpern sofort Gas ohne dazwischen flüssig zu werden. Folglich löste sich die Wolkendecke entlang des Jetstreams auf.

Klimawandel: Wieder mehr Regenwald abgeholzt

Die Abholzung des Brasilianischen Regenwaldes ist angestiegen. Innerhalb eines Jahres wurde eine Fläche in der Größe von mehr als einer Million Fußballfelder gerodet.

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Foto: filipefrazao/Adobe Stock

Die Abholzung des brasilianischen Regenwaldes erreichte dieses Jahr das größte Ausmaß seit 2012. Wie spiegel.de berichtet, wurden von August 2017 bis Juli 2018 insgesamt 7.900 Quadratkilometer gerodet. Das entspricht einer Fläche von mehr als einer Million Fußballfelder. Das ist ein Anstieg um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Nachrichtenportal beruft sich dabei auf Angaben des brasilianischen Umweltministeriums.

Im Zeitraum von 2015 auf 2016 war die Abholzung des Regenwaldes noch um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das war offenbar das Ergebnis von Maßnahmen der Regierung gegen die Abholzung, nachdem 2004 über 27.000 Quadratkilometer gerodet wurden – die Größe Haitis.

Umweltminister sieht Ursache in organisierter Kriminalität

Laut spiegel.de nannte Umweltminister Edson Duarte als Grund illegale Abholzung und machte „gestiegene organisierte Kriminalität“ dafür verantwortlich. Banden verdienen mit illegal geschlagenem Holz Milliarden. Brasilien müsse den Kampf gegen Umweltverstöße ausweiten und die nachhaltige Entwicklung des Bioms schützen, so Duarte. Die meisten Bäume wurden spiegel.de zufolge in den Bundesstaaten Pará und Mato Grosso gerodet. In Mato Grosso wird ein Großteil von Brasiliens Getreide angebaut. Deshalb sind sich Kritiker sicher, dass der Wald dort der expandierenden Landwirtschaft weichen müsse.

Der Regenwald ist wichtig für das Klima und im Kampf gegen den Klimawandel. Er speichert Kohlendioxid, das für den Treibhauseffekt verantwortlich ist.

Klimaschutz: Klöckner spricht sich für mehr Gülle in Biogasanlagen aus

Als Schlüssel für mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft sieht Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Vergärung von mehr Gülle in Biogasanlagen.

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Foto: Jörg Lantelme/Adobe Stock (Symbolbild)

Im Interview mit der Rheinischen Post hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den 10-Punkte-Plan zum Erreichen der Klimaziele vorgestellt. Anfang 2019 will die Bundesregierung verbindliche Maßnahmen für den Klimaschutz festschreiben. Das betrifft alle Sektoren im Kampf gegen den Klimawandel.

Klimaschutz über Düngerecht

In dem Interview hat sich Julia Klöckner für die verstärkte Vergärung von Gülle in Biogasanlagen ausgesprochen. Im 10-Punkte-Plan ist vor allem vorgesehen, dass die Klimaziele über Änderungen im Düngerecht erreicht werden. Durch die Verwendung von Gülle in Biogasanlagen, anstatt sie unbehandelt auf Felder auszubringen, sollen laut Klöckner Stickstoff-Überschüsse gesenkt werden. Des weiteren will die Ministerin “klimafreundliche” Tierhaltung fördern

„Wir freuen uns, dass Ministerin Klöckner die Bedeutung des Einsatzes von Gülle in Biogasanlagen anerkennt und den Beitrag der Biogastechnologie zum Klimaschutz voranbringen will”, kommentiert Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas.

Gülle-Anteil in Biogasanlagen soll erhöht werden

Aktuell werden durch die Güllevergärung bereits 2,19 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr eingespart. CO2-Äquivalente zählen zu den Treibhausgasen. Sie werden, wie zum Beispiel Methan, für den Treibhauseffekt verantwortlich gemacht. Das Bundeslandwirtschaftsministerium möchte den Anteil der Gülle, die vergärt wird, bis 2030 von 30 auf 70 Prozent erhöhen. “Das Potenzial ist also noch enorm und muss nun konsequent mobilisiert werden”, so Seide.

Dürre: Mecklenburg-Vorpommern berechnet Hilfszahlungen neu

In Mecklenburg-Vorpommern werden Schäden durch die Dürre nicht mit den Erlösen aus der Tierhaltung gegengerechnet. Das Agrarministerium nimmt dieses Angebot des Bundes wahr. Um bisher benachteiligten Landwirten mehr Zeit zu geben, wurde die Frist verlängert.

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Foto: hykoe/Adobe Stock (Symbolbild)

Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, dass landwirtschaftliche Betriebe ihre Erlöse aus der Tierhaltung nicht den Schäden durch die Dürre im Ackerbau aufrechnen müssen. Die Gegenrechnung führte in vielen Fällen zu einer Verringerung des errechneten Schadens. Die Auszahlung war entsprechend gering. Verpflichtend ist die Entscheidung für die einzelnen Länder nicht. Das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern nimmt das Angebot des Bundes wahr.

Er sei froh, dass der Bund erkannt habe, dass insbesondere rinderhaltende Betriebe von den Hilfsmaßnahmen nur wenig profitierten, sagte Landwirtschaftsminister Till Backhaus. Die Betriebe mussten teilweise sogar die Viehbestände reduzieren.

Hilfen werden neu berechnet

Für die Landwirte bedeutet das, dass bei der Antragsbearbeitung jetzt nur die witterungsbedingten Schäden aus der Tierhaltung betrachtet werden, die durch die Dürre entstanden sind. Die Erlöse spielen dabei keine Rolle.

Das Landwirtschaftsministerium in Schwerin prüft nun, inwieweit die derzeit vorliegenden Anträge ausreichen, um die Schäden neu zu berechnen. Zudem wird die Antragsfrist verlängert. Landwirte, die aufgrund der bisherigen Schadensbetrachtung herausgefallen waren, können so ihren Antrag noch stellen.

Anträge können noch bis zum 30. November beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg gestellt werden. Inwieweit eine Auszahlung von Vorschüssen für die Neuanträge in diesem Jahr möglich sei, hänge von der Anzahl der dann noch zu bearbeitenden Anträge ab, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.

Klimawandel: Erfurter Institut testet den Anbau von Südfrüchten

Der Klimawandel schreitet voran. Die Erfurter Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau testet den Anbau von bislang für Deutschland exotischen Früchte.

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Foto: pixabay

Der diesjährige Sommer war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Experten führen die Entwicklung des Wetters auf den Klimawandel durch den Treibhauseffekt zurück. Wie geht es mit der Landwirtschaft, im Speziellen mit dem Anbau von Obst und Gemüse, weiter? Werden sich die Sorten mittelfristig ändern? Die Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau Erfurt testet in Sortenversuchen genau das. Die LVG beschäftigt sich unter anderem mit dem Anbau von Melonen und Süßkartoffeln und sogar Physalis.

Ermöglicht der Klimawandel den Anbau von Aprikosen in Deutschland?

Auch Steinfrüchte sind ein Thema. Einem Bericht des MDR zufolge testet das Institut Aprikosen sowie Kirschen aus Bologna, Kalifornien und der Region “Summerland” in Kanada. Diese nordamerikanische Steppen-Region ist geprägt von warmen, trockenen Sommern. Da die Sommer in Deutschland immer länger und trockener werden, könnten auch Aprikosen sogar in Ostdeutschland eine Zukunft haben. Spätfrost im Frühjahr vertragen sie nicht.

Bewässerung muss umgestellt werden

Das wärmere Klima und intensivere sowie längere Trockenperioden führen aber auch dazu, dass man sich über die Bewässerungstechnik Gedanken machen muss. Wie Monika Möhler von der LVG gegenüber dem MDR erklärte, haben viele Obstanbaubetriebe schon jetzt auf die sogenannte Tropfenbewässerung umgestellt. Bei herkömmlichen Methoden fließt Wasser literweise über die Felder und Plantagen. Wasser ist teuer und wird wohl auch in unseren Breitengraden knapper werden. Die Tröpfchentechnik ist relativ jung. Dabei fließt das Wasser aus einem Tank oder Brunnen in Schläuchen direkt zum Bestand. An den Pflanzen werden stetig Tropfen abgegeben. Die Menge richtet sich nach dem Bedarf der Pflanze. So ist gewährleistet, dass kein Wasser einfach im Erdreich versickert, sondern direkt die Pflanzen erreicht.

Biokraftstoff aus Stroh gegen den Klimawandel

Aus Getreidestroh entsteht mithilfe einer neuen Technologie nahezu klimaneutraler Biokraftstoff.

Foto: pixabay

Foto: pixabay

Dem Chemieunternehmen Clariant mit Hauptsitz in der Schweiz ist es gelungen mit der sogenannten Sunliquid-Technologie aus Stroh nahezu klimaneutralen Biokraftstoff herzustellen. Der Treibhauseffekt soll so reduziert und das Klima geschützt werden. Die Innovation basiert auf Zellulose-Ethanol, das aus Pflanzenabfällen hergestellt werden kann. So werden beispielsweise Weizen- und Maisstroh in Zellulose-Zucker umgewandelt. Eine anschließende Fermentation macht aus dem Zucker schließlich Zellulose-Ethanol. Durch das Verfahren konnten neue Rohstoffe für die Produktion von Biokraftstoffen erschlossen und gleichzeitig deren Leistung und das Umweltprofil verbessert werden. Des weiteren lässt sich Zellulose-Zucker als Ausgangsstoff für die künftige Produktion von biobasierten Chemikalien verwenden.

Produktion vorerst in Rumänien

Aktuell baut Clariant in Rumänien die erste Sunliquid-Großanlage. Bei voller Kapazitätsauslastung soll die Anlage pro Jahr circa 250.000 Tonnen Getreidestroh zu 50.000 Tonnen Zellulose-Ethanol verarbeiten. Das Stroh wird von lokalen Landwirten bezogen.

Auszeichnung für Entwickler von Biokraftstoff

Dr. Markus Rarbach, der die Technologie mit seinem Team entwickelt hat, erhält am 14. November den Meyer-Galow-Preis für Wirtschaftschemie. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird von der gleichnamigen Stiftung verliehen, die bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) angesiedelt ist. Clariant-Verwaltungsratpräsident Dr. Hariolf Kottmann sieht die Technologie weltweit zukunftsweisend für die Entwicklung nachhaltiger und fortschrittlicher Biokraftstoffe gegen den Klimawandel.

Wetterphänomen: Drei Sonnen über Deutschland

Durch ein Wetterphänomen sieht man unter bestimmten Voraussetzungen drei Sonnen. Das steckt dahinter.

Foto: photojanski/Abobe Stock (Symbolbild)

Foto: photojanski/Abobe Stock (Symbolbild)

Mitte Oktober waren über dem baden-württembergischen Enzkreis drei Sonnen zu beobachten. Doch was steckt hinter dem Wetterphänomen? Das, was zu sehen war, bezeichnen Meteorologen als “Nebensonnen”. Diese zählen zu den sogenannten Halos, die durch brechen des Sonnenlichts verschiedene Formen haben können. Sie können zum Beispiel auch als Lichtsäulen oder Lichtpunkt unterhalb des Horizonts auftreten.

Genaue Voraussetzungen für das Wetterphänomen

Die zwei “Sonnen” neben der Sonne sind eine optische Täuschung und entstehen durch Eiskristalle in der Erdatmosphäre, durch die das Licht gebrochen wird. Damit wir diese Lichtpunkte sehen, müssen die Eiskristalle möglichst regelmäßig gewachsen und durchsichtig sein. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Kristalle flach und sechseckig sind. Nur so kann das Licht auf geradem Weg abgelenkt werden.

Die Eiskristalle schweben in den Cirruswolken. Damit die Kristalle entstehen, müssen die Temperaturen in dieser Höhe entsprechend niedrig sein. Bei einer ruhigen Wetterlage ordnen sie sich horizontal an und leiten das Licht jeweils 22 Grad auf die linke und rechte Seite der Sonne. Man sieht folglich jeweils mal stärkere, mal schwächere Dreiecke. Die Sichtbarkeit ist vom Hintergrund abhängig. Wenn am Horizont dunkle Wolken aufziehen, sieht man die Lichtflecken besser.

Ähnlich wie bei einem Regenbogen

Das Prinzip funktioniert ähnlich wie beim Regenbogen. Nur wird beim Regenbogen das Licht so stark umgeleitet, dass man die Sonne im Hintergrund haben muss, um ihn zu sehen. Wenn man Halos beobachten will, muss man darauf achten, dass man nicht von der Sonne geblendet wird. Auch nachts können ähnliche Phänomene beobachtet werden. Es gibt “Nebenmonde”, die nach dem gleichen Prinzip entstehen.

Dürre: In Österreich erster See komplett ausgetrocknet

Die Dürre fordert auch die österreichische Natur heraus. Nicht nur landwirtschaftliche Schäden sind zu beklagen. Das Wasser ist so knapp, dass bereits ein See komplett ausgetrocknet ist.

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So sieht der berühmte Spiegelsee in Österreich nicht mehr aus. Foto: photoflorenzo/Adobe Stock

Der Mittersee, auch Spiegelsee genannt, ist einer von drei Seen im österreichischen Dachsteingebirge. Die Gebirgsseen sind ein beliebtes Ziel für Bergwanderer. Spiegelsee deshalb, weil sich bei Windstille darin das Dachsteinmassiv spiegelt. Doch wer jetzt die 1.700 Meter erklimmt, wird auf das Naturschauspiel verzichten müssen. Der Spiegelsee ist der erste See in Österreich, der aufgrund der diesjährigen Hitzewelle zur Gänze ausgetrocknet ist – eine augenscheinliche Auswirkung der Dürre!

Wasserstand der Donau wegen Dürre um die Hälfte zurückgegangen

Der Spiegelsee ist ein prominentes Beispiel für den Wassermangel aufgrund der Trockenheit nach der Sommerhitze. Der Neusiedler See im östlichsten Bundesland, dem Burgenland, ist nach dem ungarischen Plattensee der zweitgrößte Steppensee Europas. Die ohnehin schon geringe Tiefe von maximal zwei Metern ist noch einmal um 14 Zentimeter gesunken, wie wetter.at berichtet. Christian Labut von der Abteilung Hydrologie der Landesregierung Niederösterreich beschreibt gegenüber dem Internetportal den Zustand der Donau: „In Niederösterreich fließt nur 41 Prozent der üblichen Menge an Wasser.” In der Folge ist die Schifffahrt eingeschränkt, die Fische sind gefährdet.

Auch das Trinkwasser wird knapp. Hausbrunnen sind versiegt. Wie wetter.at weiter berichtet, musste im Salzburger Land vergangene Woche die Feuerwehr Bauernhöfe mit Wasser aus dem Container versorgen.

Wie der Spiegelsee jetzt aussieht, sieht man hier.

Getreidearten: Höhere Blattdichte sorgt für Wasserreserven

Das Thünen-Institut hat getestet, wie Getreidearten am effektivsten Wasserreserven speichern können.

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Foto: Thünen-Institut/Remy Manderscheid

Wie können sich Betriebe, die Getreidearten anbauen, auf veränderte Witterungsbedingungen künftig einstellen? Freilandversuche des Braunschweiger Thünen-Instituts für Biodiversität haben für den Anbau von Winterweizen wertvolle Hinweise ergeben.

Die Gesamtblattfläche der Getreidearten ist entscheidend

Hauptverursacher des Klimawandels ist die erhöhte CO2-Konzentration in der Luft. Kohlendioxid ist aber auch ein wichtiger Nährstoff für die Pflanzen. Ein Anstieg fördert bei vielen Pflanzenarten die Photosynthese und kann so die Erträge steigern. Mehr davon verringert auch die Transpiration, also die Wasserabgabe durch die Blätter. Dies könnte theoretisch dazu führen, dass die Pflanzen in Zukunft regenarme Phasen besser überstehen können. Praktisch hängt der Wasserverbrauch eines Pflanzenbestandes aber nicht nur von der Transpirationsmenge pro Blatt ab, sondern von der Gesamtblattfläche und der Wasserabgabe aus dem Boden. Wie sich das komplexe Wirkungsgefüge zwischen CO2-Erhöhung, Transpiration der Pflanzen und der Boden-Verdunstung ausprägt, haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts mit Hilfe einer großflächigen Freiland-CO2-Anreicherungsanlage untersucht.

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle

In dem Versuch wurde über die gesamte Vegetationsperiode die CO2-Konzentration in Teilen eines Winterweizenfeldes künstlich erhöht, und zwar auf rund 600 ppm, das sind etwa 200 ppm mehr als heutzutage. Ein solcher Wert ist laut Weltklimarat in 50 bis 100 Jahren zu erwarten.

Bei sehr niedriger Stickstoffdüngung, die lückige Bestände zur Folge hat, konnte keine Ersparnis im saisonalen Wasserverbrauch beobachtet werden. Bei hoher Stickstoffdüngung und daraus resultierend dichten Beständen betrug die Ersparnis bis zu 15 Prozent. Verantwortlich für diese Unterschiede ist die Verdunstung aus dem Boden. Ihr Anteil am Wasserverbrauch eines Weizenbestandes von April bis Juli beträgt bei dichten Beständen etwa 10 Prozent. Bei lückigen Beständen mit geringer Bodenabschattung können auch Werte von 40 bis 50 Prozent erreicht werden.

Höhere CO2-Konzentration nutzen

Die erhöhte Kohlendioxid-Konzentration verringert die Transpiration der Pflanzen. Das führt zu einer höheren Bodenfeuchte im Oberboden. Die Boden-Verdunstung kann diesen positiven Effekt aber zunichtemachen. Wenn der Boden nur gering beschattet ist, verdunstet mehr Wasser aus dem Boden. Das bedeutet: Bei einer CO2-Erhöhung entscheidet die Düngung über die genügende Bewässerung der Pflanzen. Es entscheidet sich, ob das durch die geringere Transpiration eingesparte Wasser „vergeudet“ wird oder im Boden verbleibt. Auch die Dichte des Bestandes spielt dabei eine Rolle. Die gleichzeitige Förderung der Photosynthese und die Reduktion der Transpiration durch mehr Kohlendioxid steigert die Biomasseproduktion pro verbrauchter Wassermenge. Dieser positive CO2-Effekt auf den Gaswechsel der Pflanze lässt sich gezielt für das Pflanzenwachstum nutzen.

Agrarwissenschaftler Dr. Remy Manderscheid fasst zusammen: „Nach unseren Ergebnissen erscheint es wenig sinnvoll, die Düngung und damit die Bestandsdichte zu verringern, um so den Wasserverbrauch zu reduzieren.” Die Landwirtschaft könne so nicht an trockenere Bedingungen angepasst werden, auch wenn das derzeit in regenarmen südlichen Regionen so praktiziert werde. “In dichten, gut beschatteten Beständen ist die Wassernutzungseffizienz am größten und der positive CO2-Effekt kann voll wirksam werden”, weiß Manderscheid. Für vielversprechend hält der Wissenschaftler auch Verfahren, die geeignet sind, die Boden-Verdunstung gering zu halten. Das funktioniert beispielsweise mit Mulch über dem Saatgut. Mulch wird schon heute nicht nur als Düngemittel, sondern häufig auch als Pflanzenschutzmittel und zum Schutz des Bodens eingesetzt.

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