Forschung: Liegt Extremwetter am Klimawandel?

Die Antwort ist: Großteils ja! Mithilfe von Attributionsstudien kann die Forschung einzelne Wetterereignisse dem Klimawandel zuordnen.
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Foto: Gerd Altmann/pixabay.com (Symbolbild)

Der Klimawandel ist schon lange spür- und sichtbar – Hitzewellen, Starkregen, Stürme. Doch bisher konnte die Veränderung des Klimas nicht auf einzelne Wetterereignisse bezogen werden. Mithilfe von Zuordnungsstudien in der sogenannten Attributionsforschung ist das mittlerweile möglich. Ein wichtiger Schritt für die Forschung.

Studien basieren auf Wahrscheinlichkeits-Forschung

Mithilfe der Methode lässt sich einfach gesagt ausmachen, ob und inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel für Wetterextreme verantwortlich ist. Die Ergebnisse der Studien zeigen einen Einfluss des Klimawandels auf das Wetter. Die Forscher berechnen die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Wetterereignisses der heutigen Zeit mit Blick auf den Klimawandel. Diese vergleichen sie mit dem gleichen Wetterereignis ohne den Einfluss des Klimawandels.

Hochrechnungen für die Zukunft elementar

„Generell ist die Frage zum Klimawandel also nicht, ob es ähnliche Wetterextreme schon früher einmal gab“, so Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Vielmehr geht es darum zu schauen, ob diese Extremereignisse in der heutigen Zeit häufiger geworden sind und somit wahrscheinlicher werden. „Neben den Zahlen aus der Gegenwart und der Vergangenheit sind auch die Hochrechnungen für die Zukunft elementar. Wie verändert sich die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Wetterextrems, wenn sich die Erde um weitere ein, zwei oder drei Grad erwärmt? So wird aus bisherigen Jahrtausendereignissen schnell ein neues Normal“, erklärt Goldhausen. Manchmal kommen die Studien aber eben auch zu dem Ergebnis, dass nicht der Klimawandel der treibende Faktor einer Naturkatastrophe ist, sondern vielmehr unser menschliches Handeln. Goldhausen: „Die Berechnungen sind dabei äußerst komplex. Die abstrakten Forschungsergebnisse lassen sich jedoch meist in recht einfachen Zahlen ausdrücken.“

Auftreten von Hitzewellen

„Wir erinnern uns alle an die heißen Sommer der letzten Jahre. Besonders an die Hitzewelle 2018 in Deutschland und Europa. Laut einer Attributionsstudie kommt es in Deutschland ohne den Klimawandel nur alle 50 bis 100 Jahre zu einer solchen Hitzewelle. Heute, also in der Zeit, in der der Klimawandel voranschreitet, ist allerdings schon alle 10 Jahre mit einer vergleichbaren Hitzewelle zu rechnen“, so Goldhausen. Noch eindeutiger sei dieses Forschungsergebnis für Frankreich und die Niederlande: Dort stehe ein errechneter Rhythmus von 1000 Jahren ohne Klimawandel einem von 50 bis 150 Jahren mit Klimawandel gegenüber. „Ohne Klimawandel wäre die Hitzewelle zwischen 1,5 und drei Grad weniger heiß ausgefallen“, sagt der Meteorologe.

Veränderung in Frequenz und Stärke

Die Vereinigten Staaten sind aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten. Doch auch für die USA, belegen zahlreiche Studien die Zunahme von Extremwetterereignissen, wie Goldhausen weiß: „Als schicksalhafte Konfrontation mit der Realität zog im Jahr 2018 Hurrikan Florence auf“, so der Experte. Dieser fegte über den Bundesstaat North Carolina. Attributionsstudien kamen zu dem Ergebnis: Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse wie Florence in der Region deutlich. Der Hurrikan war außergewöhnlich. Zum Ersten war die Regenmenge, die er brachte, um mehr als 50 Prozent höher als ohne den Klimawandel. Zum Zweiten verlor der Sturm langsamer an Kraft, da es wärmer war und mehr Feuchtigkeit zur Verfügung stand. „Zum Dritten war der Sturm um 80 Kilometer größer als er es ohne die Erwärmung gewesen wäre“, erklärt Goldhausen. 

Wenige Gegenbeispiele

Es gibt allerdings auch Gegenbeispiele zur klimawandelbedingten Verschärfung von Wetterextremen, wenn auch nur wenige: Besonders Ostafrika wird immer wieder von Dürren heimgesucht. Forscher nahmen dies zum Anlass, zu untersuchen, ob die ausbleibenden Regenfälle mit dem Klimawandel wahrscheinlicher werden. Björn Goldhausen: „Das Ereignis war jedoch anders, als von vielen erwartet: Eine zunehmende Klimaerwärmung hat in Ostafrika nur wenig Einfluss auf die Zunahme von Dürren. Vielmehr lösen andere Faktoren humanitäre Katastrophen aus, wie zum Beispiel der Anbau von wenig trockenheitsresistenten Pflanzen und Fehlplanungen der Städte und Länder.“

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