Polarverschiebung: ESA startet Beobachtungssatelliten

Spacig: Das Kontrollzentrum in Darmstadt. Foto: Michi Jo Standl/emotionpic.de

Spacig: Das Kontrollzentrum in Darmstadt. Foto: Michi Jo Standl/emotionpic.de

Die Erde befindet sich gerade im Umbruch, das ist klar. Die Meinungen, was da gerade geschieht, gehen allerdings weit auseinander. Findet ein Klimawandel statt oder nicht? Wenn ja, wie sieht der aus und was hat er für Folgen für die Menschheit sowie Fauna und Flora auf der Erde? Am besten kann man den Planeten von außerhalb beobachten. Die Weltraumorganisationen haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Erdball im Auge zu behalten,damit man auf Veränderungen und eventuelle Gefahren frühzeitig reagieren kann.

In Europa arbeitet die „European Space Agency“ (ESA) mit Verwaltungssitz in Paris und operativem Zentrum im hessischen Darmstadt. Von dort werden im ESOC („European Space Operations Centre“, dt. Europäisches Raumfahrtsoperationszentrum) alle Satelliten kontrolliert und gesteuert. Gestartet werden die Trägerraketen in Kourou in Französisch-Guayana oder in im nordrussischen Plesetsk. Da die Satelliten in eine bestimmte Umlaufbahn müssen, ist es nicht möglich, diese von Mitteleuropa aus ins All zu transportieren. Um sie an die optimale Stelle in der Erdumlaufbahn zu bringen, ist entweder ein Start möglichst nah am Äquator oder in Nordpolnähe nötig.

Unter anderem zählen die Entwicklung des Ozonlochs und die Schwindung des Regenwaldes sowie die Beobachtung von menschengemachten Ölfeldern in den Ozeanen zu den Aufgaben der ESA. „Wir können allerdings die Daten über die Klimaveränderung den Entscheidungsträgern und Politikern nur zur Verfügung stellen.“, so ESA-Flugleiter Dr. Frank-Jürgen Diekmann. Was die daraus machen, läge in deren Hand.

„Swarm“ soll Magnetfeld erforschen

Am 22. November startet in Plesetsk eine Trägerrakete mit drei baugleichen Satelliten ins All. Die Mission trägt den bezeichnenden Namen „Swarm“ (dt. Schwarm) und hat die Aufgabe, die Magnetfelder der Erde zu beobachten. Hintergrund ist, dass Wissenschaftler eine Verschiebung der Magnetfelder und somit eine polare Verschiebung vermuten. Nach dem würde irgendwann der Nordpol an der Stelle des Südpols sein und umgekehrt. „Wir wissen noch nichts Konkretes, aber wir wissen, dass da etwas passiert. Deshalb starten wir diese Mission“, Diekmann, Herr über das 200 Millionen Euro-Projekt.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2005 ergab, ist eine Verschiebung längst überfällig, denn alle 300.000 bis 500.000 Jahre kommt es zu diesem Phänomen. Und jetzt sei es irgendwann wieder so weit, weiß der Flugleiter. So etwas ginge aber nicht von heute auf morgen, der Vorgang würde ein paar tausend Jahre dauern, so Diekmann weiter. Eine Kompassnadel würde dann nicht mehr nach Norden, sondern zum geographischen Süden zeigen. Wie lange eine solche Polumkehrung dauern würde und welche Folgen dies für das Leben auf der Erde haben könnte, ist noch unklar.

„Man muss sich das so vorstellen: Wissenschaftler arbeiten oft am Rande des Bekannten, deshalb kann man nie sagen, wie es ausgeht.“, weiß Diekmann, der die Flugleitung  für den Swarm-Routinebetrieb inne hat.

Neben einer Erforschung der Quellen und der Veränderlichkeit des Magnetfeldes möchten die Forscher auch herausfinden, ob das Magnetfeld in Wechselwirkung mit unserer Atmosphäre tritt und somit einen Einfluss auf unser Klima haben könnte. Wie sich das genau verhält, gilt es mit dem „Swarm“-Programm unter anderem herauszufinden.

Seit 2004 arbeitet die ESA an der Mission. Gebaut wurden die Satelliten in Friedrichshafen am Bodensee. Die unscheinbaren Würfel weisen eine Seitenlänge von etwa fünf Metern auf. Die Sonnensegel, die zur Stromversorgung dienen, sind auf der Oberfläche der Satelliten angebracht. Vor dem Start wurden im ESOC in Darmstadt alle möglichen Szenarien immer und immer wieder durchgespielt. Der Start der Trägerrakete wird direkt von Plesetsk aus kontrolliert. Sobald die Satelliten die Erdumlaufbahn erreicht haben, werden sie an die Hessen übergeben, die sie dann die nächsten Jahre steuern und die gelieferten Daten sammeln und auswerten werden. „Da darf nichts schief gehen, es hängen einfach zu viel Geld und zu viele Arbeitsplätze dran“, ist sich Dr. Diekmann der Verantwortung bewusst.

Foto: Michi Jo Standl/emotionpic.de

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