Stoppt der Coronavirus den Klimawandel?

Europa steht fast still. Ob sich der Coronavirus positiv auf das Klima auswirkt, darüber sind sich Experten uneinig.

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Foto: geralt/pixabay.com

Die weitere Ausbreitung des Coronavirus hat in ganz Europa und in anderen Kontinenten ein Shutdown zur Folge: Nichts geht mehr. Airlines stellen den Betrieb ein, Industriebetriebe produzieren nicht mehr, Menschen bleiben zuhause. Man könnte davon ausgehen, dass dies positive Auswirkungen auf den Klimaschutz habe. Prognosen von Experten gehen dabei auseinander.

45 Prozent weniger Treibhausgase durch das Coronavirus?

Noch vor ein paar Wochen stand auf der Kippe, ob Deutschland das Klimaziel 2020 erreichen wird. Laut Einschätzung der Denkfabrik Agora Energiewende könnten aber die Auswirkungen des Coronavirus COVID-19 dazu führen, dass das Ziel der Bundesregierung doch erreicht wird. Wie Agora-Direktor Patrick Graichen zur Deutschen Presseagentur dpa sagte, könnten nicht nur die angestrebten 40 Prozent weniger Treibhausgase, sondern sogar 45 Prozent erreicht werden. Er warnt aber davor, dass durch die coronabedingte wirtschaftliche Lage Investitionen in klimafreundliche Technologien ausfallen könnten und das Coronavirus dann dem Klima längerfristig schade. Die Politik müsse gegensteuern und Wachstumspakete “grün” ausgestalten, sagte Graichen der dpa.

Nur kurzfristiger Klimaschutz

Die Umweltschutzorganisation Germanwatch hingegen sieht eine Gefahr, dass angesichts der Coronakrise der Klimaschutz vernachlässigt wird, wie Deutschlandfunk Kultur schreibt. „Reiseverbote und das Herunterfahren der Wirtschaft haben zwar positive Klimaeffekte, diese seien aber nur eine kurze Delle in der Kurve”, sagte Christoph Bals von Germanwatch dem Sender. Sorge bereitet ihm, dass es in Deutschland, in Europa, aber auch weltweit Akteure gebe, die mit der fossilen Wirtschaft eng verbunden seien und die Coronakrise dazu nutzen wollten, um den Klimaschutz auszuhebeln. „Das wäre in der Tat absolut schrecklich für die Zukunft des Klimaschutzes“, so Bals in Deutschlandfunk Kultur.

Umweltbundesamt befürchtet noch höhere Emissionen

Auch Klimaexperten der Bundesregierung und Bundesumweltministerin Svenja Schulze mahnen, dass ein kurzes Absinken der Schadstoffwerte kein langfristiger Gewinn für den Klimaschutz sein müsse. „Nach der Krise sind diese Emissionen wieder da“, zitiert die dpa den Präsidenten des Umweltbundesamtes, Dirk Messner. Seine Behörde befürchtet, dass nach dem Ende der Krise der Konsum und somit die Emissionen steigen würden. Das sei schon nach anderen Wirtschaftskrisen so gewesen.

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