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Waldbrände und Starkniederschläge hängen zusammen

Ein internationales Forscherteam hat anhand einer Langzeitstudie bewiesen, dass durch Starkregen Waldbrände nicht geringer sind.

Waldbrände

Foto: pixabay

Was schon länger vermutet wurde, konnten deutsche und US-amerikanische Forscher nun konkretisieren: Starkregen und Waldbrände hängen zusammen – eine Wechselwirkung. Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG), der Universität Hamburg und Forschungseinrichtungen aus den USA haben dazu Daten aus der Zeit vom 16. Jahrhundert bis heute ausgewertet. Unter anderem wurden alte Waldbrandschäden, die in Baumringen noch sichtbar sind, einbezogen.

Niederschläge und Waldbrände basieren auf Jetstream

Die Wissenschaftler haben die Ereignisse in Kalifornien untersucht. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf starken Winden im Bereich der oberen Troposphäre bis zur Stratosphäre – sogenannten Jetstreams – und der Luftfeuchtigkeit. Sowohl Tiefdruck- als auch Hochdruckgebiete sind von den Winden abhängig.

Die Jetstreams ziehen zwischen Dezember und Februar aus dem Westen in den Staat Kalifornien ein. Die Stärke und Richtung der Winde beeinflusst die regionalen Bedingungen, die sich auf die wärmere Trockenzeit übertragen. Die Regenzeit wird so zu einem wichtigen Vorläufer der sommerlichen Brandbedingungen. Wenn der Jetstream also viel Regen bringt, ist das ein Zeichen, dass er heftig ist. Dementsprechend ist er dann auch für große Hitze verantwortlich.

Starkregenereignisse schließen Waldbrände nicht aus

Die Wissenschaftler haben bewiesen, dass Starkregen in der Region Waldbrände im folgenden Sommer nicht ausschließt. Im Jahr 2017 etwa kam es trotz Niederschlägen und hoher Luftfeuchtigkeit zu schweren Waldbränden. Eigentlich hätten die Forscher nach der kühlen und regenreichen Jahreszeit mit sehr hoher Feuchtigkeit eher weniger schwere Brände erwartet. Aufgrund der Erkenntnisse können Waldbrandprävention und -bekämpfung besser gesteuert werden.

Wetterlagen sind größer als bisher angenommen

Wetterlagen mit Starkregenereignissen in Europa sind nicht nur auf unsere Regionen beschränkt. Extreme Niederschläge sind über Kontinente hinweg verbunden.

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Foto: ESA/NASA

Regionale extreme Niederschläge hängen mit der gleichen Art von Wetterlagen tausende Kilometer entfernt zusammen. Das hat ein internationales Expertenteam in einer neuen Studie herausgefunden. Die Forscher entdeckten ein globales Verbindungsmuster von Extremniederschlägen.

Wetterlagen können besser vorhergesagt werden

Die Erkenntnisse könnten eine verbesserte Wettervorhersage möglich machen. Schäden können so begrenzt und Menschen besser geschützt werden. Durch die extremen Niederschlagsereignisse aufgrund des Klimawandels gewinnt die Studie an Relevanz.

Satellitendaten dienten als Grundlage

Anhand von Satellitendaten entdeckten die Wissenschaftler, dass Niederschläge durch die Jetstreams verbunden sind. Diese umkreisen im oberen Bereich der Atmosphäre die Erde und bilden riesige Wellen zwischen dem Äquator und den Polen.

„Wir haben ein globales Verbindungsmuster entdeckt, welches das Auftreten von extremen Regenereignissen festlegt und bestimmte Arten von atmosphärischen Wellen als die wahrscheinliche Hauptursache identifiziert”, so der Leitautor der Studie, Niklas Boers. Der Deutsche forscht am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und am Imperial College in London.

Europäischer Regen mit asiatischem Monsun verbunden

Der südasiatische Sommermonsun etwa ist laut der Wissenschaftler mit Ereignissen in Ostasien, Afrika, Europa und Nordamerika verbunden. Obwohl Regenfälle in Europa nicht den Regen in Pakistan und Indien verursachen, gehören sie zum gleichen atmosphärischen Wellenmuster. Die europäischen Regenfälle werden dabei zuerst ausgelöst. Die Forscher versprechen sich dadurch zum Beispiel, Extremwetterereignisse in Asien anhand der Wetterlage in Europa besser voraussagen zu können.

Ihre Studie haben die Forscher im Januar im Fachmagazin “Nature” veröffentlicht.

Wetterextreme: Deutschland stärkt äthiopischen Agrarsektor

Das deutsche Entwicklungsministerium und die KfW helfen in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen äthiopischen Landwirten nachhaltig die Folgen der Wetterextreme zu bewältigen.

Foto: Can/Adobe Stock

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Äthiopien ist einer der ärmsten Länder Afrikas. Die Landwirtschaft ist das wichtigste Standbein der Einwohner. Doch unter der Hitze funktioniert diese nur schwer. Wetterextreme, die durch den Klimawandel noch verstärkt werden, erfordern Maßnahmen gegen die Folgen. Dazu zählt nicht nur Dürre, sondern auch Starkregen.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW hat im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) einen Finanzierungsvertrag unterzeichnet. Auch das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) beteiligt sich an der Finanzierung in der Gesamthöhe von 20 Millionen Euro. Die Förderung, finanziert durch die Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“, stellt eine Ausweitung der von WFP und Oxfam gegründeten Rural Resilience Initiative (R4) dar. Sie unterstützt den äthiopischen Agrarsektor in ausgewählten Regionen, die extremen Wetterereignissen ausgesetzt sind.

Bevölkerung ist auf Hilfe gegen Folgen der Wetterextreme angewiesen

„Die Landwirtschaft, von der über 85 % der Bevölkerung Äthiopiens direkt oder indirekt abhängen, ist besonders klimaempfindlich”, erklärt KfW-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Joachim Nagel. In den ländlichen Gebieten stelle der Agrarsektor zumeist die einzige Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeit dar. “Umso wichtiger ist es, die Landbevölkerung für Klimarisiken und damit verbundenen Ernteausfällen zu rüsten und so das Nahrungsangebot in den betroffenen Regionen sicherzustellen“, so Nagel weiter.

Nachhaltige Möglichkeiten für die Landwirte

Der ganzheitliche Ansatz umfasst vier Maßnahmen zum besseren Umgang mit Wetterrisiken: Zum einen werden wirtschaftlich und finanziell nachhaltige Dürreversicherungen für die ansässige Bevölkerung bereitgestellt. Zum anderen werden Maßnahmen zum Erosionsschutz und der Wasserrückhaltung im Fall von Starkregen eingeleitet. Darüber hinaus können die kleinbäuerlichen Betriebe über Mikrokredite in die Diversifizierung ihrer Einkommen investieren. So haben sie zum Beispiel die Möglichkeit, Bienen für die Honigproduktion und -vermarktung zu erwerben. Schließlich wird auch das Sparverhalten der Landwirte durch spezielle Trainings gestärkt und so ein finanzielles Polster für etwaige Ernteausfälle durch das Extremwetter angespart.

Deshalb sterben Fische in deutschen Gewässern

Durch die Hitze als Folge der Klimaerwärmung haben Gewässer zu wenig Sauerstoff für die Fische.

Foto: pixabay '(Symbolbild)

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In Fließgewässern, aber auch in Teichen kommt es seit einigen Tagen zum Fischsterben. Die Verendung der Tiere ist aber nicht auf die Wasserqualität zurückzuführen. Vielmehr macht die anhaltende Hitze den Fischen zu schaffen. Die Gewässer haben aufgrund der hohen Außentemperatur zu wenig Sauerstoff. Vor allem ist Norddeutschland betroffen. Wie die Welt berichtet, sieht die Hamburger Umweltbehörde ein nachhaltiges Problem.

„Die aktuelle Situation ist schon kritisch und wird sich in den kommenden Tagen weiter verschärfen“, sagte Behördensprecher Björn Marzahn der Zeitung bereits im Juni. Unter anderem im Aßmannkanal in Wilhelmsburg und im Lohmühlenteich in Harburg hätten bereits verendete Fische abgefischt werden müssen.

Auch Regen würde nicht helfen

Unter vier Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser gelten als kritisch für Fische. An der Messstation Bunthaus in der Tideelbe sei jetzt eine Konzentration von 2,8 Milligramm ermittelt worden, erklärte Marzahn der Welt. An einer anderen Stelle habe der Wert sogar unter 1,3 Milligramm gelegen. In Blankenese sei es mit 1,4 Milligramm Sauerstoff pro Liter kaum besser gewesen. Betroffen sind auch Fischarten in kleineren Gewässerläufen, Teichen und Rückhaltebecken. Selbst Starkregen würde nicht helfen, weil dadurch zusätzlich Sedimente in die Gewässer gespült würden.

Diese Schäden verursachte Sturmtief “Burglind”

Im Vergleich zu anderen Extremwetterereignissen aus der jüngeren Vergangenheit war “Burglind” kein Rekordsturm, hinterließ aber trotzdem schwere Schäden.

Foto: pixabay (Symbolbild)

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Gesperrte Bahnstrecken, überflutete Straßen, umgestürzte Bäume, Starkregen, regionsübergreifende Unwetterwarnungen: Zu Jahresbeginn zog das Sturmtief “Burglind” über Europa. In Deutschland waren vor allem der Süden und der Westen betroffen. Im Nordschwarzwald wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h gemessen. Die großen Flüsse, wie Rhein und Donau, traten über die Ufer. In Saarbrücken musste sogar einige Tage lang die Stadtautobahn, die unmittelbar an der Saar verläuft, komplett gesperrt werden. Die Mosel war für Schiffe nicht passierbar. Inzwischen gehen die Pegelstände wieder zurück.

Der Gesamtverband der Deutschen Versichicherungswirtschaft (GDV) schätzt den Gesamtschaden auf “deutlich weniger als eine halbe Milliarde Euro” ein – ein schwerer, aber kein Rekordsturm.

“Kyrill” bislang schwerster Wintersturm

Der verheerendste Wintersturm der vergangenen 20 Jahre ist immer noch “Kyrill”, der im Januar 2007 mit Windgeschwindigkeiten von über 200 km/h über Europa fegte. Das Tiefdruckgebiet entstand – wie “Burglind” auch – über dem Atlantik und hinterließ in Deutschland Schäden von rund 2 Milliarden Euro. Im Ranking der Winterstürme folgen die Tiefs Lothar 1999 mit 800 Millionen Euro und “Jeanett” 2002 mit rund 760 Millionen Euro.

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Niedersachsen genehmigt Gülleausbringung außerhalb der Sperrfrist

Wegen anhaltender Regenfälle im Norden dürfen niedersächsische Landwirte die Gülle vor Ablauf der Sperrfrist ausbringen.

Foto: pixabay (Symbolbild)

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Das Land Niedersachsen genehmigte die Ausbringung von Wirtschaftsdünger außerhalb der vorgesehenen Sperrfristen. Der Grund: Wegen häufigem Starkregen in den vergangenen Wochen waren landwirtschaftliche Flächen nicht befahrbar. Die Güllelager in vielen Betrieben sind dadurch so gut wie voll. Laut Düngeverordnung wäre eine Ausbringung erst wieder ab 1. Februar 2018 möglich.

„Die Lage ist angespannt, es kann zu sogenannten Havariefällen kommen, bei denen Gülle unkontrolliert ins Erdreich abfließt. Das muss auf jeden Fall verhindert werden.“, so Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast und Umweltminister Olaf Lies. Das Grundwasser würde verunreinigt werden. Die Ausnahmegenehmigung basiert auf einem Erlass der Ministerien für die Wasserbehörden und die Düngebehörde. Grundlage dafür ist das Wasserhaushaltsgesetz (WHG), wie Umweltminister Lies erklärt: „Danach ist in einem akuten Notfall das Ausbringen von Gülle auch in der Sperrfrist zu dulden, um größeren Schaden zu verhindern, etwa den Eintrag ins Grundwasser, in Oberflächengewässer oder in die Kanalisation.“

Zuerst Alternativen prüfen

Voraussetzung für die Genehmigung ist, dass die Betriebe nachweislich alle Alternativen geprüft haben, etwa die Lagerung der Gülle in Nachbarbetrieben oder die Aufnahme bei einer Güllebörse oder Biogasanlage. Die Notfall-Maßnahmen dürfen nur nach einzelbetrieblicher Abstimmung mit den Wasserbehörden und der Düngebehörde erfolgen. Hierzu gehört:

  • Es kommen nur durchgängig bewachsene, ebene Flächen für die Ausbringung in Betracht. Dazu zählen Winterraps, Feldgras, Zwischenfrüchte und Grünland.
  • Eine Ausnahmegenehmigung für Trinkwassergewinnungs- und Überschwemmungsgebiete ist nicht möglich.
  • Es dürfen maximal zehn Kubikmeter pro Hektar bodennah ausgebracht werden.
  • Ein Mindestabstand von zehn Metern zu Gewässern ist einzuhalten.

Falls eine Befahrbarkeit der landwirtschaftlichen Flächen weiterhin nicht möglich ist, stelle auch der Bau von provisorischen Güllelagunen eine Möglichkeit dar, Havarien zu verhindern, so die Minister weiter. Güllelagunen sind Erdbecken, die mit Spezialfolie abgedichtet werden. Die Landkreise können diese Maßnahme zur unmittelbaren Gefahrenabwehr in Notfallsituationen dulden. Niedersächsische Betriebe, bei denen eine Notsituation eintritt, sollten sich unverzüglich mit den Wasserbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten sowie mit der Düngebehörde in Verbindung setzen.

Wasserberater helfen Landwirten beim Erosionsschutz

Foto: pixabay

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Für Bayern hat der Erosionsschutz höchste Priorität. Eine Arbeitsgruppe gibt konkrete Handlungsempfehlungen für Landwirte ab.

In Bayern wurde nach den Hochwasserereignissen im vergangenen Jahr eine „Arbeitsgruppe Erosionsschutz“ eingerichtet, die sich mit den Auswirkungen von Starkregen auf landwirtschaftliche Flächen beschäftigen soll. Im August haben die Experten den Abschlussbericht an Landwirtschaftsminister Helmut Brunner übergeben.

Die Arbeitsgruppe gibt in dem ausführlichen Bericht konkrete Handlungsempfehlungen für Landwirte ab, mit denen der Boden geschützt werden kann. „Wer die Erosionsgefährdung seiner Ackerflächen kennt, kann gezielt gegensteuern.“, so die Autoren des Berichtes. Sie empfehlen unter anderem auch das Greening mehr auf den Erosionsschutz auszurichten.

Einige Maßnahmen sind schon angelaufen. So werden zusätzliche Wasserberater eingesetzt, die Landwirten Hilfestellungen beim Schutz der Böden geben. Auch der Aufbau eines Netzwerkes von Demonstrationsbetrieben hat bereits begonnen.

„Angesichts der immer häufiger auftretenden Starkregen müssen wir wissen, wie wir erosionsgefährdete Böden und die Qualität des Oberflächenwassers in Bayern noch besser schützen können.“, so Minister Brunner. Boden- und Gewässerschutz habe für ihn höchste Priorität.

Die Arbeitsgruppe Erosionsschutz war mit Fachleuten aus der Umwelt- und Landwirtschaftsverwaltung, der Technischen Universität München, des Deutschen Wetterdienstes und mit praktizierenden Landwirten besetzt. Die Handlungsempfehlungen und eine Dokumentation der Starkregenereignisse können auf der Internetseite der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft abgerufen werden.

 

Unwetter hinterlassen seit Juni Millionenschäden

Seit Juni kommt es immer wieder zu Starkregen. Laut einer Studie müssen wir uns daran gewöhnen. Ernteabsicherung ist also wichtiger als je zuvor.

Foto: pixabay

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Im Juni und Juli waren weite Teile Deutschlands von Starkregen und sogar Hagel betroffen. Vor allem die Nordhälfte der Bundesrepublik bekam die Unwetter „Paul“ und „Rasmund“ sowie zuletzt das Tief „Alfred“ zu spüren. Mit bundesweit rund 130 l/m² erreichte der Juli mehr als das Doppelte seines Solls von 78 l/m². Damit gehört er zu den zehn niederschlagsreichsten Juli-Monaten seit Messbeginn 1881. Laut erster Einschätzung des Gesamtverbandes der deutschen Versicherer (gdv) entstand insgesamt ein Schaden von 60 Millionen Euro.

Ernteunterbrechungen und Schäden

Während Unwetter „Paul“ insgesamt etwa 50.000 Hektar Ernte vernichtete, verschonte „Alfred“ die Landwirtschaft weitgehend. Der Gesamtschaden liegt dennoch im zweistelligen Millionenbereich. Die seit Juni anhaltenden Starkregenereignisse sorgen auch für Ernteunterbrechungen. Betroffen sind nahezu alle Ackerbaukulturen – Wintergetreide, Mais, Zuckerrüben, Erbsen, Raps und Kartoffeln. Eine abschließende Erntebilanz wird der Deutsche Bauernverband (DBV) am 22. August veröffentlichen.

Extremwetter nimmt zu

Laut einer gemeinsamen Studie des Thünen-Instituts, des Julius-Kühn-Instituts (JKI) und des Deutschen Wetterdienstes werden in den nächsten Jahrzehnten nicht nur Stürme, Hitze und Trockenheit zunehmen, sonder auch Starkregenereignisse. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat in diesem Zusammenhang eine Broschüre aufgelegt, in der aufgeklärt wird, in welcher Form sich Unternehmen des Agrarbereichs und der Forstwirtschaft gegen Wetterschäden absichern. Außerdem wird informiert, wo Land- und Forstwirte gegebenenfalls Hilfe erhalten können.

Die Broschüre kann auf der Internetseite des Bundeslandwirtschaftsministerium kostenlos bestellt oder heruntergeladen werden.

Ertragspotenziale durch Wetterextreme verringert

Die deutschen Landwirte erwarten Getreideernte auf Vorjahresniveau, regionale Unterschiede

Foto: pixabay

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„Zum Erntebeginn sehen wir beim Zustand der Getreide- und Rapsbestände in Deutschland deutliche regionale Unterschiede“, sagte DBV-Präsident Joachim Rukwied zum Auftakt der Getreide und Rapsernte. Der Deutsche Bauernverband erwartet eine Getreideernte von gut 45 Millionen Tonnen, die mengenmäßig knapp dem Vorjahr mit 45,4 Millionen Tonnen entsprechen wird. Der Durchschnitt der Ernten 2012 bis 2016 in Höhe von 47,9 Millionen Tonnen wird damit aber nicht erreicht. Die zuletzt heißen und trockenen Witterungsverhältnisse und der Starkregen in einigen Regionen bringen vor allem beim Weizen einige Unsicherheit bei der Schätzung der Getreideernte.

Die Wintergerstenbestände sind durch die Trockenheit im Juni mit regional extrem hohen Temperaturen schnell abgereift. Letztendlich würden jedoch die ersten Druschergebnisse zeigen, inwieweit die teils extreme Juni-Witterung die Erträge und Qualitäten von Winterweizen, Winterraps und das Sommergetreide beeinflusst hat, sagte Rukwied. Deshalb seien derzeit die Erwartungen der Landwirte an die diesjährige Ernte eher zurückhaltend. In weiten Teilen Deutschlands lassen sich Trockenschäden in den Beständen erkennen. Gerade der Winterweizen könnte zuletzt Ertragspotenzial und Qualität eingebüßt haben. Da dieser mit knapp 3,2 Millionen Hektar die wichtigste in Deutschland angebaute Getreideart sei, sei sein Ertrag ein maßgeblicher Faktor für das Gesamtergebnis der Getreideernte, erläuterte der Bauernpräsident. Der DBV erstellt seine Ernteprognose auf der Basis von Umfragen unter den 18 Landesbauernverbänden zu ihren aktuellen Ertragsschätzungen.

Schädlinge und Kälte belasten Winterraps

Beim Winterraps geht der Bauernverband derzeit von einer Erntemenge von knapp 4,7 Millionen Tonnen aus. Die Ertragserwartungen liegen mit rund 3,6 Tonnen pro Hektar niedriger als der Fünfjahresdurchschnitt von 3,9 Tonnen pro Hektar. Ursachen hierfür sind ein regional erhöhter Krankheits- und Schädlingsdruck, der Kälteeinbruch mit Nachtfrösten im April, welcher die Rapsbestände in der Blüte traf, sowie die Trockenheit der letzten Wochen.

Trockenschäden in Norddeutschland

Naturgemäß sind die Ertragserwartungen in den einzelnen Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich. Die Wasserversorgung war zum Ende des Frühjahrs in Norddeutschland weit weniger angespannt als in den übrigen Regionen Deutschlands. Insbesondere auf leichten sandigen Böden traten Trockenschäden auf. Das liegt am geringeren Wasserhaltevermögen. Die Getreide- und Rapsbestände auf schwereren Böden profitierten dagegen von den höheren Wasservorräten. Die Niederschläge der vergangenen Woche haben die Wasserversorgung verbessert, andererseits die begonnene Wintergerstenernte jedoch unterbrochen. Auch die Wasserversorgung in den kommenden Monaten ist von hoher Bedeutung. So hängt das Ertragspotenzial von Kartoffeln, Zuckerrüben aber auch von Mais maßgeblich von den Witterungsbedingungen in den Sommermonaten ab.

Wetterextreme erfordern gutes Risikomanagement

Rukwied wies noch einmal auf die Wichtigkeit von gutem Risikomanagement hin. Vor allem Obst- und Weinbetriebe sehen sich mit extremen Ernteausfällen konfrontiert. „Die Wetterextreme bestimmen das Erntejahr unserer Obst- und Weinbauern in diesem Jahr ungewöhnlich stark“, so der Bauernpräsident. Einige Betriebe seien massiv geschädigt. Der starke Frost Mitte April nach dem warmen März führte zu großen Schäden zum Beispiel bei Kirschen, Pflaumen, Äpfeln und Wein. Ende Mai bis in den Juni hinein mussten die Obstbauern regional mit Starkregen und Hagel fertig werden.

Hochwasserschutz nicht zu Lasten der Landwirte

Der Deutsche Bauernverband fordert, beim Hochwasserschutz nicht das „Augenmaß“ zu verlieren.

hochwasserDass Hochwasserschutz wichtig ist, sind sich Bundesregierung und Verbände einig. Der Deutsche Bauernverband (DBV) kritisiert, dass das neue Hochwasserschutzgesetz vor allem zu Lasten der Landwirte geht. DBV-Umweltbeauftragter Steffen Pingen: „Kommunen sollten stärker verpflichtet werden, geeignete technische Maßnahmen umzusetzen.“ Der schadlose Rückhalt von anfallendem Niederschlagswasser von versiegelten Flächen müsse verbessert werden, so der Fachbereichsleiter.

Naturschutzziele statt echter Hochwasserschutz

Pingen betonte bei der Bundestagsanhörung zu dem Thema, dass die Landwirtschaft Maßnahmen zum Hochwasserschutz unterstütze, wenn hiermit gezielt Hochwasserschutz betrieben werde. Den Naturschutz in den Vordergrund zu rücken, akzeptiere man nicht. Pingen forderte, dass die Landwirte in alle Planungen einbezogen und entschädigt werden. Flächen in Hochwasserschutzpoldern zum Beispiel sollten weiter uneingeschränkt nutzbar sein.

Kein echter Schutz durch „Hochwasserentstehungsgebiete“

Pingen betrachtet auch die neue Kategorie im Hochwasserschutzgesetz „Hochwasserentstehungsgebiete“ kritisch. Wenn eine Fläche als solches kategorisiert wird, müssen Landwirte mit verschiedenen Maßnahmen ins Land eingreifen – etwa durch das Anlegen von Abflüssen.

Die neue Kategorie für Hochwasserschutz sei kein geeignetes Instrument, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Starkregenereignisse lassen sich, wie Pingen klarstellte, nicht auf eine Gebietskategorie reduzieren. Man könne Starkregen auch nicht mit der Steigerung der Versickerungsfähigkeit begegnen. Die Vorbeugung sei besser durch Regenwasserrückhaltmaßnahmen in Kommunen zu erreichen.

„Risikogebiete“ behindern Entwicklung der Betriebe

Als besonders problematisch sieht der Fachbereichsleiter die geplante Gebietskategorie „Risikogebiete außerhalb von Überschwemmungsgebieten“. Diese sind von den Ländern auf Basis eines hundert- oder zweihundertjährigen Hochwassers festzulegen. Die Berücksichtigung von Hochwasserschutzmaßnahmen wie Deichen ist dabei nicht vorgesehen.

Für die Landwirtschaft sei es laut Pingen nicht hinnehmbar, auch in von Deichen geschützten Bereichen hochwassersicher zu bauen. Es sei weder möglich noch verhältnismäßig, hier Fahrsilos und Ställe hochwassersicher auszugestalten. Ferner sei das vorgesehene Vorkaufsrecht etwa für Gewässerränder und Maßnahmen des Hochwasser- und Küstenschutzes zu weitreichend.

Zielführender sei es, kooperativ mit den Landwirten an Gewässern freiwillig Randstreifen zu bewirtschaften, so Pingen. Für den DBV sei es nachvollziehbar, dass in Überschwemmungsgebieten keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden dürfen. Unbegreiflich ist für den Verband aber, vorhandene bauliche Anlagen nicht erweitern zu dürfen. Denn die Zukunftsfähigkeit der Betriebe hänge auch davon ab, sich weiterentwickeln und Anforderungen des Tierwohls oder des Emissionsschutzes umsetzen zu können, sagte Pingen.