Kategorie: Die Wetterversicherung

Prognosen: Was ist dran an Bauernregeln?

Die modernen Wettervorhersagen, wie wir sie heute kennen, gibt es erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts und wurden erst mit der Erfindung der Luftfahrt aktuell. Aber wie beurteilten die Menschen die Entwicklung des Wetters, die gerade für die Landwirtschaft wichtig ist, vorher? Sie beobachteten das Wetter und Zusammenhänge langfristig im Jahresablauf und stellten Regeln auf, die heute landläufig unter Bauernregeln bekannt sind.

Landwirt in Getreidefeld

Kann man sich auf Bauernregeln verlassen?

Wenn man Meteorologen fragt, bekommt man meist ein „teilweise“ zu hören. Was auf alle Fälle zu beachten ist, dass die Regeln auf regionale Erfahrungen zurückzuführen sind, da sind sich die Experten einig. In Norddeutschland wurden die meist gereimten Sprüche aufgrund anderer Phänomene überliefert, als zum Beispiel in den Alpen. Bei der Beurteilung des kommenden Wetters ist weniger die Prognose für die nächsten ein bis zwei Tage, wie Abendrot oder aufziehende Schäfchenwolken interessant. Eine Herausforderung ist die Beurteilung des langfristigen Wetters, die ausgehend von bestimmten Lostagen, die Entwicklung prognostizieren. Zu den Lostagen gehören unter anderem Lichtmess (2. Februar), die Eisheiligen (11. – 15. Mai) und Weihnachten. Eine Regel, die drei der fünf Eisheiligen beinhaltet ist zum Beispiel „Pankraz, Servaz, Bonifaz, machen erst dem Sommer Platz.“, was so viel bedeutet, als dass erst nach dem 15. Mai mit wärmeren Temperaturen zu rechnen ist.

Der Diplom-Metereologe Dr. Jurik Müller machte sich die Mühe und sammelte für sein Buch „100 Bauernregeln, die wirklich stimmen“ (blv Verlag), das im September 2011 erschien, Regeln, die er aus wissenschaftlicher Sicht nach dem Wahrheitsgehalt prüfte.

Wir haben drei von Juriks Antworten herausgenommen:

Wenn fremde Wasservögel nah’n, deutet das große Kälte an.

Wenn in Nordeuropa im Februar alle Gewässer zufrieren, finden die Wasservögel keine Nahrung mehr und fliehen auf Futtersuche nach Süden – lange bevor die eisige Luft auch uns erreicht und für eine späte Kältewelle sorgt.“

Fließt im Spätherbst noch Birkensaft, kriegt der Winter keine Kraft.

Ist der November wolkenarm und sonnenreich, wird der Boden verhältnismäßig stark erwärmt. Die Birke mit ihren flachen Wurzeln wird dadurch länger mit Nährstoffen versorgt und verliert nur langsam ihre Blätter. Einem derartigen November folgt in sieben von zehn Fällen auch ein überdurchschnittlich warmer Januar.

Baumblüte zum zweiten Mal im Jahr noch nie ein gutes Zeichen war.

Erwärmt es sich nach einem kühlen und feuchten Witterungsabschnitt noch einmal, “denken” viele Pflanzen, es ist bereits Frühling. Beim nächsten Frost fallen die Blüten aber wieder ab. Da der Baum dadurch Kraft verpulvert, fällt die Ernte im nächsten Jahr geringer aus.

Im Gegenzug drei Bauernregeln, die laut Jurik auf keinen Fall stimmen können:

Wenn viel Gras die Hunde fressen, wird es bald vom Himmel nässen.

Dass Hunde Gras fressen, liegt nicht am Wetter. Sie bringen so ihren Verdauungsapparat in Schwung, unabhängig von Sonnenschein und Regen.“

Wie die ersten zwölf Tage im Januar walten, so werden sich die zwölf Monate gestalten.

Ein Wetteraberglauben, der mehr als drei Jahrtausende überdauert hat. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, die ersten zwölf Tage enthalten das Wetter der kommenden zwölf Monate im Embryonalzustand. Das ist Quatsch.“

Gründonnerstagsregen gibt selten Erntesegen.

Auch wenn man solche Lostags-Regeln nie nur auf einen Tag beziehen soll, sondern auf die Zeit um den betreffenden Tag, ist dieser Spruch unsinnig, weil Gründonnerstag auf 35 verschiedene Tage fallen kann.

Ob man sich auf die Vorhersagen der modernen Meteorologie verlässt, eine eigene Wetterstation zu Hause hat oder sich mit den Bauernregeln auseinandersetzt, ein Stück Kultur und lustig zum Lesen sind sie auf alle Fälle.

Foto: fotolia.com

 

Das Problem mit den Flutwellen

In den letzten Tagen hat sich entlang des gesamten Laufes der Elbe eine Flutwelle mit lang gezogenem Scheitel ihren Weg Richtung Norden gebahnt. Wie drastisch die Konsequenzen sein können, sieht man besonders am Beispiel eines kleinen Ortes, den man in den letzten Tagen ständig in den Nachrichten hört: Fischbeck in Sachsen-Anhalt. Dort werden sogar Lastenkähne gesprengt, um lange Deichbrüche zu schließen. Ortschaften, die 10 km entfernt von der Elbe liegen, stehen unter Wasser. Mehr als 200 Quadratkilometer Land sind geflutet – unvorstellbare Dimensionen. Sandsäcke

Dabei waren die Niederschläge dort doch gar nicht so schlimm, wie in Bayern, Teilen von Sachsen und Thüringen, wo mittlerweile die Aufräumarbeiten schon in vollem Gange sind. Wie kann das Ausmaß der Flut dort nach dem Ende der eigentlichen Regenwochen so verheerend sein?

Die Antwort ist so einfach wie drastisch: All das Wasser, was die Elbe entlang ihres Laufes aufnehmen musste, was durch den nassen Boden nicht mehr aufgenommen werden konnte, was durch begradigte Flussverläufe und zu wenige Auen- und Polderflächen einfach keinen anderen Raum mehr gefunden hat, das sorgt jetzt für einen unheimlich hohen Pegelstand in all den Bundesländern, die die Elbe bis zu ihrer Mündung in die Nordsee durchfließt.

Auch wenn beispielsweise die Landwirte in Sachsen-Anhalt wahrscheinlich keine existenziellen Schäden durch die Niederschläge direkt vor Ort erlitten hätten, so verlieren jetzt viele von ihnen doch ALLE Ernteerträge durch die Wassermassen, die die Elbe von entfernten Gebieten mit sich bringt.

 Weil „Die Wetterversicherung“ eine echte Katastrophendeckung sein soll, die genau dann hilft, wenn Betriebe sich von existenzgefährdenden Risiken konfrontiert sehen, berücksichtigen wir auch diesen Zusammenhang. Für Landwirtschaftsunternehmen, deren Flächen in gefährdeten Gebieten links und rechts eines Flusslaufes liegen, schaffen wir gerade Möglichkeiten, sich gegen solch eine Flutwelle abzusichern, die wir jetzt erleben. Zum einen schaffen wir die Möglichkeit, Flusspegelstände als ein weiteres auslösendes Moment mit in “Die Wetterversicherung” zu integrieren. Darüber hinaus werden wir die Großwetterlage der letzten Maiwochen bis Anfang Juni genau analysieren und die Niederschläge an Orten entlang der Flussläufe untersuchen. So schaffen wir die Möglichkeit, auch die Niederschläge an eigentlich vom Betriebsstandort entfernten Orten mit zu bewerten. So erkennen wir Flutwellen die den Betrieb mit hoher Wahrscheinlichkeit treffen und können Versicherungsschutz dafür anbieten.

Wir sichern Landwirtschaft.

Freundliche Grüße

Sebastian Mahler

Produktmanager

 

„… und David Hasselhoff als Einheizer“ – So funktionieren Wetterversicherungen

Hallo liebe Leser!

Neulich hat ein alter Schulfreund einen unserer Blog-Artikel kommentiert, weil er wissen wollte, ob er „Die Wetterversicherung“ richtig verstanden hat.

Damals kommentierte er den Link zu unserem Artikel mit folgenden Worten:

„Wenn ich also jetzt ne Grillparty feiern will… und unverhofft fängt es an zu schneien… …und ich dann im Baumarkt 10 Heizpilze, ein Zelt und David Hasselhoff als Einheizer mitnehme… …übernimmt die Wetterversicherung dann die Ausgaben um die wetterbedingten Maßnahmen zu finanzieren ohne die meine Party ins Wasser fällt?“

Natürlich ist das ein Beispiel weit ab von unserer Zielgruppe Landwirtschaft. Aber im Prinzip stellt es genau das dar, was das Wesen einer Wetterversicherung ausmacht: Die Kompensation finanzieller Nachteile, die auf Grund ungünstigen Wetters entstehen.

grillen bei regen

Der Erfolg, also die Ergebnisse bzw. Erträge vieler Branchen hängen vom Wetter ab – ob Konzertveranstalter, Baubranche, Flughäfen oder eben die Landwirtschaft: Schlechtes Wetter verursacht in der Regel Einnahmeverluste und Zusatzausgaben, diese wiederum wirken negativ auf das Gesamtergebnis.

Nichts anderes stellte mein Schulfreund in seinem Kommentar dar. Eine Party im Freien mit Schneefall ist natürlich schlecht. Hat man aber durch entsprechende Absicherung das Geld, ein Zelt für alle Gäste, ausreichend Heizpilze und – wie er so schön schreibt – David Hasselhoff als Einheizer einzukaufen – dann findet die Party zumindest statt. Gäste gehen zufrieden nach Hause und das Leben geht weiter. Der Gesamterfolg ist gesichert.

Die Wetterversicherung schafft genau das für die Landwirtschaft – sinken Erträge durch schlechtes Wetter, entstehen Einnahmeverluste und Zusatzausgaben. Die Wetterversicherung „glättet“ durch finanzielle Entschädigung bei Ernteertragsverlusten die Einnahmesituation des Landwirtschaftsunternehmens und das Jahresergebnis bleibt kalkulierbar.

 

Freundliche Grüße,

Sebastian Mahler