Agrophotovoltaik: Rechtliche Hürde steht im Weg

Flächen mit Agrophotovoltaik doppelt zu nutzen – Bewirtschaftung und Stromerzeugung – klingt erst einmal verlockend. Doch eine Verordnung verbietet das.

Agrophotovoltaik

Foto: Fraunhofer ISE

Agrophotovoltaik (APV) ist eine relativ junge Form der Photovoltaik. Während bei der Installation von herkömmlichen Solarmodulen auf zum Beispiel Grünland eine andere Nutzung nicht möglich ist, erlaubt Agro-PV eine Doppelnutzung – landwirtschaftliche Nutzung und Stromerzeugung. Es gibt zwei Möglichkeiten für APV-Anlagen: Vertikale erlauben, mit Maschinen dazwischen zu arbeiten oder etwa Nutztiere weiden zu lassen. Bei horizontalen Modulen in einigen Metern Höhe ist die Bewirtschaftung darunter möglich. Ein zusätzlicher entscheidender Vorteil der horizontalen Variante ist, dass der Pflanzenbestand vor zu viel Sonneneinstrahlung sowie vor etwa Starkregen oder Hagel geschützt ist.

Verordnung verbietet Doppelnutzung

Sowohl Hersteller als auch Forschungsinstitute und sogar die Politik preisen die “effiziente Doppelnutzung” an. Was landwirtschaftliche Förderungen betrifft, schließen sich Landwirtschaft und Agrophotovoltaik allerdings aus. Das Recht sieht diese Doppelnutzung gar nicht vor. Wenn ein Landwirt den produzierten Strom in das Netz einspeist, ist das gewerblich. Das EU-Recht lässt die Nutzung sogar offen, aber in der Beihilfedurchführungsverordnung der Länder ist die Doppelnutzung streng ausgeschlossen.

Agrophotovoltaik ist technisch marktreif

Fraunhofer ISE Freiburg testete in einem Verbundprojekt gemeinsam mit anderen Instituten und der Demeter-Hofgemeinschaft in Heggelbach am Bodensee erfolgreich eine horizontale APV-Anlage. Über einer 0,3 Hektar großen Ackerfläche wurden in fünf Meter Höhe Solarmodule mit einer Leistung von 194 Kilowatt installiert. Im ersten Projektjahr 2017 konnte das Projektkonsortium bereits eine Steigerung der Landnutzungsrate auf 160 Prozent nachweisen. Im Hitzesommer 2018 wurde dieses Ergebnis noch deutlich übertroffen: Die Teilverschattung unter den Solarmodulen steigerte die landwirtschaftlichen Ernteerträge, die hohe Sonneneinstrahlung die Solarstromproduktion. So lag die Landnutzungseffizienz bei 186 Prozent. Dabei verzeichneten sie bei drei der vier angebauten Kulturen (Winterweizen, Kartoffeln, Kleegras, Sellerie) unter der APV-Anlage höhere Erträge als auf der Referenzfläche ohne Solarmodule. 

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